160 Jahre organisiertes Feuerwehrwesen in Oberösterreich

 

1800 Waldbrand Forst Großraming: 200 Holzknechte im Einsatz (August)

1800 (15. August) Leopoldschlag: 29 Häuser

1826 Ortsbrand Sierning

1850 Großbrand Stift Schlägel

1857 (6. Mai) Ortsbrand Neuhofen/Krems: 45 Häuser

dies ist nur ein kleiner Auszug aus den Berichten von Brandkatastrophen im 19. Jhd., kurz vor Gründung der ersten Feuerwehren in Oberösterreich. Um 1850 wurde in vielen österreichischen Städten die Notwendigkeit der Gründung von Feuerwehren mit einem organisierten Feuerwehrwesen erkannt.

 

Es entstanden Freiwillige Feuerwehren und in den Großstädten Berufsfeuerwehren. 1851 wurde die Freiwillige Feuerwehr Linz gegründet. Es gab aber in der Bevölkerung keine Unterstützung sondern viel Kritik und Anfeindungen, daher hatte die FF Linz 1861 einen Mannschaftsstand von nur 12 Mann!

 

Das Reichsgesetz 1862 ordnete die Feuerpolizei dem „selbständigen Wirkungskreis" der Gemeinde zu. Die Gemeinde hatte danach u.a. auch für die Errichtung einer (freiwilligen) Feuerwehr zu sorgen. In den Folgejahren wurden in ganz Österreich – in Oberösterreich 1873 – neue Feuerpolizeiordnungen erlassen, die u.a. auch das Feuerwehrwesen neu regelten.

 

Verstärkt greifen nun Turner, die sich auf ihre Turnvereine stützen können, in die Gründungsgeschichte maßgelblicher Oberösterreichischer Feuerwehren ein.

 

In Wels wurde die Gründung einer freiwilligen Turnerfeuerwehr im Jahr 1863 bewilligt, 1864 folgte die Turnerfeuerwehr Steyr. Aus den Turnerfeuerwehren entwickelten sich dann in den Folgejahren die Freiwilligen Feuerwehren, es kam nun zu zahlreichen Gründungen. 1868 in Aschach, Kremsmünster, 1869 in Eferding, Freistadt, Mauthausen, Mondsee u.a. folgten. Die so gebildeten (Freiwilligen) Feuerwehren sind bis zur Feuerpolizeiordnung 1938 in der Rechtsform als Vereine entstanden. Das Feuerwehrwesen war von der Verfassung her den Ländern zugeordnet.

 

Antrag und Gründung des Landes-Feuerwehrverbandes OÖ in den Jahren 1869 bis 1872 und die Einführung eines jährlichen Feuerwehrtages. Die Leitung des Landes-Feuerwehrverbandes bestand aus dem Central-Ausschuss, dieser aus fünf Mitgliedern. Am 26. Jänner 1886 bedauerte der Vorsitzende des Central-Ausschusses, dass viele Gemeinden ihrer Verpflichtung nicht nachkommen würden, eine Feuerwehr zu gründen.

 

Beim Landesfeuerwehrtag 1893 in Mauthausen wurde darauf hingewiesen, dass es in den 500 Gemeinden OÖ 275 Freiwillige Feuerwehren gibt, in manchen mehrere, aber in 225 Gemeinden keine Feuerwehr.

 

1898 (Gründungsjahr der FF Hasenufer) wird der Feuerwehrpass eingeführt. Am 10. September wurde die österr. Kaiserin Elisabeth in der Schweiz ermordet.

 

1905 (Gründung der FF Pucking) Im Abgeordnetenhaus wurde ein Gesetzesentwurf eingebracht, wonach Pferde, die für den Vorspann von Feuerwehrspritzen dienen, nicht für den militärischen Vorspann requiriert werden dürfen!

 

1906 gründet Konrad Rosenbauer seine Spritzenfabrik. Am 13. November 1909 verstarb Konrad Rosenbauer.

 

1913 gab es in Oberösterreich 680 Freiwillige Feuerwehren mit zusammen 38.000 Mann.

 

Am 28. Juli 1914 diktierte Kaiser Franz Josef „An meine Völker", Am 30. Juli erfolgte die allgemeine Mobilmachung. Der Anfang vom Ende des 640 Jahre währenden Reiches der Habsburger hatte begonnen. 1918 im November erschien in der Verbandszeitschrift der OÖ Feuerwehren ein Willkommensgruß an die heimkehrenden Kameraden. Über 4300 Feuerwehrkameraden blieben aber auf dem „Felde der Ehre".

 

1924 dem Landesverband gehören nun 787 Freiwillige Feuerwehren an, 3 nicht. 22 Feuerwehren der Bezirks-Verbände 12 und 28 (Innviertel) wollen aus dem Feuerwehrverband austreten. Am 12. Dezember wurde in Österreich die Schillingwährung eingeführt, die mit 1. Jänner 1925 wirksam wurde.

 

1927 wurde die OÖ Landesregierung ersucht, aus den jährlichen Einsparungen des Verwaltungsfonds einen Baufond anzulegen, mit dem man ein Feuerwehrhaus mit Schulungsräumen, Unterkünften für Lehrgangsteilnehmer, einer Dienstwohnung für den Hauswart und einem Feuerwehrmuseum errichten wollte. Davor mit einem Exerzierplatz, einer Zeug Stätte und einem Steiger Turm.


Foto: Feuerwehrschule Oberösterreich
Foto: Feuerwehrschule Oberösterreich

1929 am 15. September wurde die Oö. Feuerwehrschule in Linz, die erste Feuerwehrschule Österreichs, feierlich ihrer Bestimmung übergeben. Eine Motorspritze kostete damals um 5.000 Schilling.

 

1934 am 12. Februar wurden die Lehrgangsteilnehmer in der Feuerwehrschule um ca. 8.00 Uhr durch Schüsse aufgeschreckt. Das Haus wurde von Schutzbündlern besetzt. Trotzdem wurde der Unterricht fortgesetzt. Der neue Vorsitzende des Landesverbandes, Josef Pointner meinte: „Ein Virus, der sich (in die Feuerwehr) eingeschlichen hat, heißt Politik. Schulungen über die Gefahren des elektrischen Stroms werden im  Zuge  der

fortschreitenden Elektrifizierung notwendig. 1936 wird über Jugendarbeiten (Zöglingsarbeiten) innerhalb der Feuerwehren berichtet, die aber 1937 aus gesetzlichen Gründen wieder eingestellt werden mussten.


1938 wurden nach dem Anschluss an Deutschland alle innerhalb einer Ortsgemeinde bestehenden freiwilligen Feuerwehren in eine Gemeindefeuerwehr zusammengelegt. Auch in der Gemeinde Pucking gab

 

es dann nur mehr eine Feuerwehr.  Über das Feuerwehrwesen haben ab Mai 1938 ausschließlich  reichsdeutsche Behörden entschieden. Jugendfeuerwehren, landläufig „Feuerwehr-HJ“ genannt mussten im Kriegsfall ausgebildet werden.

 

1945, nach der Wiederherstellung Österreichs trat in Oberösterreich die OÖ Feuerpolizeiordnung vom 15. Dezember 1937 wieder in Kraft.

 

Danach gelang das schier Unglaubliche, den meisten Feuerwehrkommandanten glückte es, den Zerfall der Feuerwehren zu verhindern und aus verbliebenen Restmannschaften und Heimkehrern relativ gut organisierte Einheiten zu formieren. Die Landesfeuerwehrschule wurde 1948 wieder eröffnet. 1950 wurde Franz Hartl zum Landes-Feuerwehrkommandanten gewählt. Ab 1951 werden Feuerwehrleistungsbewerbe in den Bezirken durchgeführt.

 

Die Feuerwehren werden in den folgenden Jahren zum „Mädchen für alles“. Auch zur Katastrophenwehr (KHD-Katastrophenhilfsdienst) beim und ab der Hochwasserkatastrophe 1954. In diesem Jahr kam es auch zur Frequenzzuteilung (alles noch sehr bürokratisch!) Feuerwehrfunk durch die Post- u. Telegrafenverwaltung. Die Bürokratie blieb hier auch noch sehr lange erhalten! Der Ausbau des Feuerwehrfunknetzes wird in den frühen 1960er Jahren fortgesetzt. Spreng-, Atemschutz- und Tauschausrüsten kommen in der Folge. Vor allem die Einsatzfahrzeuge mussten dem Stand der Technik angepasst werden, hier im besonderen die Tanklöschfahrzeuge.

 

Der Mannschaftsstand im Jahr 1968 der oö. Freiwilligen Feuerwehren betrug 47.000 aktive und 14.000 alt gediente Feuerwehrleute („Kameraden der Reserve“).

 

Im Landesfeuerwehrkommando wird 1972 eine neue Funkzentrale installiert, da der Funksprechverkehr bei den OÖ Feuerwehren immer mehr an Bedeutung gewinnt. Viele technische Einsätze!

 

Ab 26. April 1986 stand die Welt im Banne des Super-GAU von Tschernobyl. Durch diesen Vorfall erhielt auch die Ausbildung im Strahlenschutz neue Bedeutung und Impulse. Beim bislang größten Sturmereignis im Februrar/März 1990, Orkan mit bis zu 170  km/h, standen bei 8.100 Einsätzen ca. 47.000 Mann etwa 161.000 Stunden im Einsatz.

 

Das Jahrhunderthochwasser in großen Teilen (Ober-)Österreichs im August 2002 wird wohl für immer in düsterer Erinnerung bleiben, 2 Feuerwehrmänner tödlich verunglückt, alleine in OÖ über 800 Feuerwehren mit 57.000 Mann über Wochen im Einsatz, versuchten das Menschenmögliche um der Bevölkerung in derNot beizustehen. Über 2000 Einsätze wurden auch im Jänner 2006 in OÖ infolge der Schneedruckkatastrophe durchgeführt.

 

Die notwendige Anpassung und Modernisierung schritt zügig voran. Erneuerungen bei Einsatzfahrzeugen,

 

Ausbau der Feuerwehrhäuser, Ausrüstungsgegenstände, und endlich auch bei der Einsatzbekleidung der Kameraden und mittlerweile auch Kameradinnen folgte.

 

Aktuell gibt es in Oberösterreich 919 Feuerwehren mit 91.242 Mitgliedern (Aktive, Jugend, Reserve).

 

    Ab März 2015 -  918 Feuerwehren

 

Trotz aller Veränderungen, eines ist immer geblieben, das Motto


 „GOTT ZUR EHR, DEM NÄCHSTEN ZUR WEHR“


 ist auch heute noch das Leitmotiv der Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren. Und wie meinte schon Goethe:


„ES GIBT NICHTS GUTES AUSSER MAN TUT ES“


… dafür ein kleines Beispiel:

Überregionaler Einsatz der Feuerwehren Pucking und Hasenufer bei der großen Donauflut 2013

 

EAW Alfred Schramm